DIE SEELISBERGER THESEN

DIE SEELISBERGER THESEN

 

  1. Es ist hervorzuheben, dass ein und derselbe Gott durch das Alte und Neue Testament zu uns allen spricht.
  2. Es ist hervorzuheben, dass Jesus von einer jüdischen Mutter aus dem Ge­schlechte Davids und dem Volke Israel geboren wurde, und dass seine ewige Liebe und Vergebung sein eigenes Volk und die ganze Welt umfasst.
  3. Es ist hervorzuheben, dass die ersten Jünger, die Apostel und die ersten Märtyrer Juden waren.
  4. Es ist hervorzuheben, dass das grösste Gebot für die Christenheit, die Lie­be zu Gott und zum Nächsten, schon im Alten Testament verkündigt, von Jesus bestätigt, für beide, Christen und Juden, gleich bindend ist, und zwar in allen menschlichen Beziehun­gen und ohne jede Ausnahme.
  5. Es ist zu vermeiden, dass das biblische und nachbiblische Judentum herabge­setzt wird, um dadurch das Christen­tum zu erhöhen.
  6. Es ist zu vermeiden, dass Wort Ju­den" in der ausschliesslichen Bedeu­tung Feinde Jesu" zu gebrauchen, oder auch die Worte die Feinde Jesu", um damit das ganze jüdische Volk zu bezeichnen.
  7. Es ist zu vermeiden, die Passionsge­schichte so darzustellen, als ob alle Juden oder die Juden allein mit dem Odium der Tötung Jesu belastet seien. Tatsächlich waren nicht alle Juden, welche den Tod Jesu gefordert haben. Nicht die Juden alleine sind dafür ver­antwortlich, denn das Kreuz, das uns alle rettet, offenbart uns, dass Christus für unser aller Sünden gestorben ist. Es ist allen christlichen Eltern und Leh­rern die schwere Verantwortung vor Augen zu stellen, die sie übernehmen, wenn sie die Passionsgeschichte in einer oberflächlichen Art darstellen. Da­durch laufen sie Gefahr, eine Abnei­gung in das Bewusstsein ihrer Kinder oder Zuhörer zu pflanzen, sei es ge­wollt oder ungewollt. Aus psychologi­schen Gründen kann in einem einfa­chen Gemüt, das durch leidenschaftli­che Liebe und Mitgefühl zum gekreu­zigten Erlöser bewegt wird, der natürli­che Abscheu gegen die Verfolger Jesu sich leicht in einen unterschiedslosen Hass gegen alle Juden aller Zeiten, auch gegen diejenigen unserer Zeit, verwandeln.
  8. Es ist zu vermeiden, dass die Ver­fluchung in der Heiligen Schrift oder das Geschrei einer rasenden Volks­menge: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder" behandelt wird, ohne daran zu erinnern, dass dieser Schrei die Worte unseres Herrn nicht aufzuwiegen vermag: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun", Worte, die unendlich mehr Ge­wicht haben.
  9. Es ist zu vermeiden, dass der gottlo­sen Meinung Vorschub geleistet wird, wonach das jüdische Volk verworfen, verflucht und für ein ständiges Leiden bestimmt sei.
  10. Es ist zu vermeiden, die Tatsache unerwähnt zu lassen, dass die ersten Mitglieder der Kirche Juden waren.

 

Die Broschüre „60 Jahre Seelisberger Thesen“ wurde herausgegeben vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG), der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK).

 

Die gesamte Broschüre kann zum Preis von 5SFR bezogen werden bei info@swissjews.org, sbk-ces@gmx.ch, info@sek-feps.ch oder im Internetshop des SEK: http://www.sek-feps.ch/shop/index.php

30.8.07 09:59

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Bernd Dahlenburg / Website (30.8.07 21:35)
Von den Thesen könnten sich die deutschen Volkskirchen eine Scheibe abschneiden.

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